Weltwirtschaftskrise

Ende der 20er Jahre bildete sich am Aktienmarkt eine Spekulationsblase. Immer mehr Anleger investierten in Aktien, oft kreditfinanziert, um auf immer weiter steigende Kurse zu setzen. Im Oktober 1929 begann der Amerikanische Börsenindex „Dow Jones“ zu stagnieren und schließlich zu sinken. Langsam wurde vielen Hochverschuldeten Anlegern bewusst welches Risiko sie eingegangen waren und so kam es am 24. Oktober 1924 zu einer Massenpanik an der Börse in der viele Anleger ihre Papiere um jeden Preis verkauften. Die Kurse sanken massiv und Kredite konnten nicht mehr bedient werden. Dieses Ereignis ging in Amerika als „Schwarzer Donnerstag“ und in Europa, wo die Panik wegen der der Zeitverschiebung erst einen Tag später losging, als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte ein.

Andrang auf die Wall Street nach dem Börsencrash 1929

 
Die Aktienmärkte fielen schließlich noch bis 1932 und führten zum Zusammenbruch zahlreicher Firmen, die teilweise auch ihre eigenen Aktien als Kreditsicherheit hinterlegt hatten. Massenentlassungen und eine gravierende Weltwirtschaftskrise waren die Folge. Gerade die Weimarer Republik war von diesem Ereignis besonders stark betroffen, da ihr Wohlstand massiv von Auslandskrediten abhing und diese in Folge praktisch ausblieben. Die dadurch einsetzende Geldmittelknappheit hatte katastrophale Auswirkungen auf Export und Inlandsmarkt und führte zu einer Abwärtsspirale aus Entlassungen und Kaufkraft.

 
Die Industrieproduktion der Weimarer Republik sank in Folge der Weltwirtschaftskrise um über 40 %, während sich die Arbeitslosenzahlen von 2,85 Millionen auf 6 Millionen mehr als verdoppelten. Da das Sozialsystem der Weimarer Republik erst seit kurzem um eine Arbeitslosenversicherung erweitert worden war, führte dies in weiterer Folge zu einem enormen Kostendruck der sogar zum Bruch der Regierungskoalition im März 1930 führte.

Ergebnis der Reichstagswahlen 1930

 
Die Reichstagswahlen vom 14. September 1930 führten zu einem Erdbeben in der Weimarer Republik, schließlich zeigten sich nun auch die politischen Folgen der Weltwirtschaftskrise: Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei (NSDAP), die noch zwei Jahre zuvor mit 2,8 % praktisch unbedeutend war, wurde mit 18,3 % zur zweitstärksten Kraft im Parlament.
Dies hatte zur Folge, dass es kaum mehr möglich war eine Mehrheitsregierung zu bilden. Schon seit dem Bruch der Koalition regierte Reichspräsident Hindenburg und die von ihm ernannten Reichskanzler per Notverordnung (Art. 48 der Weimarer Verfassung), was aufgrund der schwerwiegenden Wirtschaftslage auch von den Sozialdemokraten geduldet wurde. Der Anfang vom Ende der Weimarer Republik nahm seinen lauf.

 
Eine ähnliche Entwicklung wie nach der Weltwirtschaftskrise 1929, lies sich auch nach der Finanzkrise von 2008 beobachten: Rechte Kräfte gewannen mehr und mehr an Boden und hatten in zahlreichen Ländern starken Zuwachs und Wahlerfolge. In Deutschland waren die Auswirkungen bislang nicht so gravierend wie in den 1930er Jahren, da die Demokratie fester verankert ist als zu Weimarer Zeiten. Dennoch ist es wichtig aus der Geschichte zu lernen und die Gefahr einer Wiederholung nicht zu unterschätzen.

Heinrich Brüning, Reichskanzler 1930 – 1932

 
Nachdem eine Bankenkrise im Sommer 1931 die letzte Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Konjunktur in der Weimarer Republik zerschlagen hatte, setzte Reichskanzler Brüning (Zentrum) auf eine eiserne Finanz- und Sparpolitik: Neben zahlreichen Steuererhöhungen (z.B. Einkommens- und Umsatzsteuer) und neuen Steuern (z.B. Krisen- und Bürgersteuer) wurden auch die Ausgaben der öffentlichen Hand massiv zusammengestrichen. Dies hatte zur Folge, dass der Staat kaum mehr Güter kaufte oder Dienstleistungen in Anspruch nahm, z.B. wurden keine öffentlichen Gebäude mehr errichtet, und damit die Konjunktur noch weiter belastet.
Der Rückhalt Brünings schrumpfte in der Folge immer weiter zusammen und die weiter zunehmende Arbeitslosigkeit trieb die Menschen in die Arme radikaler Parteien wie der NSDAP und der KPD.

 
Am 10. Oktober 1931 kam es unter Kanzler Brüning zu einer Kabinettsumbildung, die eine Orientierung nach rechts signalisieren sollte. Hindenburg, der auf diese Umbildung bestand und zu linke oder zu katholische Minister loswerten wollte, war mit dem neuen Kabinett aber auch nicht voll zufrieden. Schließlich verlor Brüning nach mehreren Meinungsverschiedenheiten immer mehr Rückhalt bei Hindenburg. Letztendlich gescheitert trat er am 30. Mai 1932 zurück.