Ausgerechnet Bananen

Hinter dem Titel „Ausgerechnet Bananen“ verbirgt sich ein bekannter Schlager aus den 20er Jahren, der zur Zeiten der Weimarer Republik sehr erfolgreich war und hinter dem eine spannende Geschichte steht. Ursprünglich stammt die Melodie des Liedes eigentlich vom amerikanischen Foxtrott „Yes! We Have No Bananas“, der bereits 1922 veröffentlicht wurde.
Der österreichische Texter, Librettist und Schriftsteller Fritz Löhner, der auch unter dem Pseudonym Beda bekannt war, schrieb 1923 einen deutschen Text für das, als „Ausgerechnet Bananen“, bekannte Lied und erzielte mit dieser Fassung einen größeren Erfolg als das Original.

Der Schlagertexter von „Ausgerechnet Bananen“ Fritz Löhner-Beda wurde 1942 in Auschwitz getötet

Aufgebaut ist der Schlager, wie in den 20er Jahren oftmals üblich, mit großem instrumentalen Anteil nur unterbrochen von zwei Refrain-Abfolgen. Der Refrain des Liedes lautet wie folgt:

 

Ausgerechnet Bananen, Bananen verlangt sie von mir!
Nicht Erbsen, nicht Bohnen, auch keine Melonen, das ist ein’ Schikan’ von ihr!
Ich hab Salat, Pflaumen und Spargel, auch Olmützer Quargel,
doch ausgerechnet Bananen, Bananen verlangt sie von mir!

Löhner, der damit beauftragt war einen deutschen Text zu schreiben, wurde vom Verlag dazu angehalten, dass auch in der deutschen Version das Wort „Bananen“ vorkommt. Da er aufgrund dessen lange Zeit keine Idee hatte, kam ihm der Spruch „Ausgerechnet Bananen verlangt man von mir!“ in den Sinn, welchen er so umdichtete, dass es sich im Lied um die Launen einer Frau handelt, die, obwohl alles mögliche im Hause ist, auf Bananen besteht.
Bei dem im Lied erwähnten Olmützer Quargel handelt es sich im übrigen um einen Sauermilchkäse aus der mährischen Stadt Olmütz, in Fritz Löhners Heimat.

 
Ausgerechnet Bananen auf Youtube:

 
Ausgerechnet Bananen wurde ein großer kommerzieller Erfolg im deutschsprachigen Raum und spielte Millionen ein. Sogar die Einfuhr der Frucht selbst soll in den Folgejahren stark angestiegen sein. Löhner selbst war über den Erfolg regelrecht erschrocken und dichtete in der Wiener Sonn- und Montagszeitung:

 

Was hab ich da angestiftet / Schaudernd steh ich vor der Schlucht / Oh ich hab mich selbst vergiftet / An der eigenen Geistesfrucht! / Konnt’ ich wissen, konnt’ ich ahnen / Dass die Welt ins Irre hopst / Ausgerechnet durch Bananen / Dieses harmlos-dumme Obst?

Auch in späterer Zeit ging „Ausgerechnet Bananen“ in die Popkultur ein. So wurde die Melodie z.B. von Maggi für die Werbung seiner Fünfminuten-Terrine verwendet. Ausserdem wurde der Spruch „Ausgerechnet Bananen“ unter Zitate und Ausprüche sogar in den Duden aufgenommen, als „Ausruf des Unmuts, der Enttäuschung über ein unerwünschtes Ereignis“ (Band 12 des Duden, Seite 67).





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Für Fritz Löhner-Beda war die Zukunft alles andere als rosig. Als Jude und bekennender Antimilitarist wurde er nur einen Tag nach dem Anschluss Österreichs, am 13. März 1938, verhaftet und am 1. April in einem sogenannten Prominententransport ins KZ Dachau gebracht. Am 23. September ging es schließlich weiter ins KZ Buchenwald, wo er einige Jahre verbringen sollte.
Ende 1938 textete Löhner im Auftrag des SS-Offiziers Arthur Rödl das „Buchenwaldlied“, welches von seinem Mitgefangenen Hermann Leopoldi vertont wurde. Damals beim Appell und beim Ein- und Auszug der Kolonnen gespielt, gehört das Buchenwaldlied heute zum Gedenkprogramm der Befreiung.

 
Das Buchenwaldlied auf Youtube

 
Am 17. Oktober 1942 kam Fritz Löhner-Beda nach Auschwitz, wo er im Buna-Werk der IG-Farben Zwangsarbeit leisten musste. Noch kurz vor seinem Tod schrieb er dort das Buna-Lied, ehe er am 4. Dezember 1942 bei einer Inspektion der IG-Farben Direktoren erschlagen wurde. Auslöser war wohl die Bemängelung der Arbeitsleistung, des mittlerweile erkrankten und fast 60 jährigen Löhners, durch einen der Direktoren.